Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Schutzengelfest (festum ss. Angelorum Custodum) erscheint als Particularfest im Anfange des 16. Jahrhunderts zuerst in Spanien, wo es am 1. März, dann in Frankreich, wo es am ersten freien Tage nach dem Hauptfeste des hl. Michael (Dedicatio S. Michaelis, am 29. September) begangen wurde. Die beiden Feste des hl. Michael, das eben genannte und das seiner Erscheinung (8. Mai), galten vordem auch der Verehrung aller Engel, wie die Oration, die 6. Lection und die 8. Benediction erweisen. Paul V. gestattete am 27. September 1608 die Feier des Schutzengelfestes als festum duplex ad libitum allgemein und schrieb sie auf Bitten des spätern Kaisers Ferdinand II. für die dem römischen Kaiser unterstehenden Länder vor; für denselben Bereich verlegte Clemens IX. am 30. Juni 1667 das Fest unter dem Titel festum S. Angeli Custodis mit einer Octav auf den ersten Septembersonntag. Clemens X. fügte am 13. September 1670 das Fest mit dem Range eines festum duplex als allgemein verbindlich in das römische Kalendarium und damit auch in das Brevier und das Missale ein und fixirte es auf den 2. October, den ersten freien Tag nach dem Hauptfeste des hl. Michael. Leo XIII. erhob es am 5. Juli 1883 zu einem duplex majus; nach der Bestimmung vom 27. August 1893 gehört es zu den Hauptfesten (festa primaria). Die Octav behielt als bloß indulgirt ihre Stelle im Anhange des Breviers. In den Kirchen, welche das Fest am ersten Sonntag des Septembers begehen, unterbleibt die Feier am 2. October; dieser Tag ist also liturgisch frei, so daß auf denselben ein anderes Fest verlegt oder fixirt werden kann. Für die Bestimmung, ob das Fest an dem Sonntage zu begehen ist, welcher den Kalenden des Septembers am nächsten liegt, oder an demjenigen, welcher in den September selbst fällt, ist das Herkommen entscheidend (S. C. R. 23. Maji 1885). Die Bischöfe Preußens sind 1895 übereingekommen, daß das Fest in ihren Diöcesen gleichmäßig an dem Sonntage begangen wird, der mit oder nach dem 1. September eintritt.

[K. Schrod.]


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