Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Urbi et Orbi, die übliche Phrase, welche besagen will, daß eine kirchliche Amtshandlung, »für die Stadt Rom und den Erdkreis«, d. h. für die gesammte Kirche bestimmt ist. Insbesondere spricht man von einer Urbi et Orbi geschehenen Promulgation (s. d. Art.) eines Gesetzes. Urbi et Orbi, sc. benedictio, heißt ferner der Segen »über die Stadt und den Erdkreis«, welchen der Papst vor der Occupation Roms an gewissen Tagen und bei gewissen Anlässen sehr feierlich spendete, und mit welchem ein vollkommener Ablaß verbunden war. Derselbe wurde ertheilt von den Loggien aus, welche sich in der Mitte über dem Eingang in die Patriarchalkirchen S. Pietro im Vatican, S. Giovanni in Laterano und S. Maria Maggiore erheben. Der Papst begab sich dahin gewöhnlich nach Beendigung der heiligen Messe oder anderer daran sich anschließenden Functionen mit großem Gefolge. Feststehende Tage dafür waren der Gründonnerstag, der Ostersonntag und das Fest der hll. Petrus und Paulus (vom St. Petersdom aus), das Fest Christi Himmelfahrt (von der Laterankirche aus) und das Fest Mariä Himmelfahrt (von S. Maria Maggiore aus). Der am letztgenannten Tage übliche Segen wurde oft auf den Pfingsttag verlegt. Sonst fand dieser Segen noch statt bei der Krönung des Papstes in St. Peter, am Tage seiner Thronbesteigung in der Laterankirche, sowie im Jubeljahre bei den wichtigsten Feierlichkeiten, und zwar hierbei in den Hauptkirchen, welche der Papst beliebig auswählte, um dem Verlangen der frommen Pilger Genüge zu leisten. Die Bezeichnung Urbi et Orbi für diesen Segen ist übrigens keineswegs officiell, auch das Pontificale kennt dieselbe nicht. Das Annuario Pontifico hatte bis zum Jahre 1870 gleich Eingangs, wo die Funzioni Pontificie e Cardinalizie stets verzeichnet waren, was in La Gerarchia nicht mehr der Fall ist, an den oben genannten Festtagen nur die einfache Rubrik: Dopo la Messa il Sommo Pontefice da al popolo dalla gran loggia la solenne Benedizione con la Plenaria Indulgenza. Gleichwohl ist diese Bezeichnung Urbi et Orbi in Rom und Italien wie in allen katholischen Ländern bekannt und gebräuchlich. Anhangsweise möge noch bemerkt werden, daß, wie die St. Peterskirche Urbis et Orbis ecclesiarum speculum et decus, so die Kirche St. Johann im Lateran Omnium Urbis et Orbis ecclesiarum mater et caput genannt wird.

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