Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Veni Creator Spiritus sind die Eingangsworte des darnach benannten Hymnus zu Ehren des heiligen Geistes. Er ist vom hl. Rabanus Maurus (gest. 856) verfaßt, vielfach aber auch dem heiligen Papst Gregor I. und Kaiser Karl dem Großen zugeschrieben worden. Das Lied, das an den ambrosianischen Hymnus Veni redemptor gentium anklingt und diesem einige Verse entlehnt hat, zählt sechs Strophen von je vier Zeilen; der Vers ist der jambische Diameter. Obwohl die letzte (6.) Strophe als Doxologie sich darstellt, so wird doch regelmäßig die anderen Hymnen angehörige, nur in der Osterzeit wechselnde doxologische Schlußstrophe beigefügt. Der Hymnus ist ein inniges, an den heiligen Geist gerichtetes Gebet, das sich vertrauensvoll auf die verschiedenen biblischen Bezeichnungen desselben und seinen aller Noth entgegenkommenden Gnadenbeistand stützt; das innige Flehen findet seinen Ausdruck auch darin, daß im liturgischen Dienste die erste Strophe stets knieend gesprochen wird. Von den im canonischen Officium täglich wiederkehrenden Hymnen abgesehen, wird dieser Hymnus mehr als jeder andere und bei den verschiedensten kirchlichen Anlässen gesungen oder recitirt. Im Stundengebete ist er Vesperhymnus am Pfingstfeste und während dessen Octav und tritt in dieser Zeit auch täglich an die Stelle des Hymnus zur Terz Nunc sancte nobis Spiritus. Bei der Ertheilung der Priester- und Bischofsweihe begleitet er die heilige Salbung; bei der benedictio et consecratio Virginum wird er an die Litanei angeschlossen; wird der Grundstein für eine Kirche gelegt, so bildet er den Schluß der Gebete, und bei der Kirchweihe leitet er nach der Lustration des Gebäudes im Äußern mit der Litanei von allen Heiligen die Cerimonien im Innern der Kirche ein; gemäß dem Ordo ad Synodum ist er an jedem Tage nach den Vorbereitungsgebeten vor dem Eintritt in die Berathungen vorgezeichnet. In allen diesen Gebetsordnungen, die dem römischen Pontificale angehören, erscheint das Veni Creator Spiritus als ein dem bischöflichen Dienste vorzugsweise eigener Hymnus. (Vgl. John Julian, A Dictionary of Hymnology, London 1892, 1206 ff.; U. Chevalier, Repert. hymnol. II, Lovanii 1897, 713 sq.)

[K. Schrod.]


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