Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Vexilla regis prodeunt heißt nach seinen Anfangsworten der Hymnus, welcher im römischen Brevier der Temporalvesper in der Passionszeit und den Vespern der Feste Kreuzerfindung und Kreuzerhöhung eignet; außerdem findet er in der Charfreitagsliturgie seinen Platz bei der Procession nach den Improperien. Als Verfasser dieses Hymnus wurden irrigerweise Mamertus, Theodulphus, Sedulius u. A. angesehen; unzweifelhaft gehört derselbe aber Venantius Fortunatus (s. d. Art.) zu, welcher ihn bei der im Art. Radegundis erwähnten Gelegenheit dichtete. Allerdings weicht die im heutigen römischen Brevier enthaltene Textform von der ursprünglichen bedeutend ab, was ein Vergleich mit dem Mon. Germ. hist. Auct. antiqu. IV, 34 sqq. abgedruckten, handschriftlich gesicherten Texte des Dichters zeigen kann; wie in ähnlichen Fällen meistens, haben die Änderungen im Brevier dem poetischen Gehalte des Hymnus Abbruch gethan. Die Strophe O crux ave etc., welche nach der Festzeit im zweiten Verse variirt wird, rührt nicht von Venantius her, sondern ist spätere Zudichtung und der liturgischen Verwendung des Hymnus angepaßt. Für die Erklärung im Einzelnen sei beispielsweise auf Kayser, Beiträge zur Gesch. u. Erklärung der ältesten Kirchenhymnen I, 2. Aufl., Paderborn 1881, 395 ff., verwiesen. Als gern gesungenes und tief empfundenes Lied zu Ehren Christi Leiden ward der Hymnus öfter in die Volkssprache übersetzt (vgl. Kayser I, 410 ff.); eine Anzahl deutscher Texte mit Melodien gibt Bäumker, Das kath. deutsche Kirchenlied I, Freiburg 1886, 441 ff. Ebenso diente der Hymnus häufig dazu, um mit seinen Anfangsworten und nach seinem Schema andere geistliche und weltliche Lieder zu dichten; die weiteren Nachweise hierüber und die Literatur zum Ganzen stellt Chevalier (Répert. hymnol. II, Louvain 1897, 734 s.) zusammen.

[A. Esser.]


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