Das ist ein Artikel aus Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon.




Züchtigung, körperliche, wird sowohl schon in den Canones aus frühester Zeit als im Decretalrecht, besonders aber in den Klosterregeln verschiedener geistlichen Orden als Kirchenstrafe gegen Cleriker und Mönche erwähnt (vgl. d. Art. Disciplin III, 1824 f.), und zwar theils als selbständiges Strafmittel für manche Disciplinarvergehen, theils als Strafschärfung in Verbindung mit Gefängniß, Absetzung u. dgl. Das ganze Mittelalter hindurch hat sie sich in Übung erhalten. Als besonderes Correctionsmittel wurde sie gewöhnlich wegen Störung der Andacht (c. 16. c. 54, § 2, X 5, 39) und wegen anderer muthwilligen Excesse (c. 9, Dist. XXXV) vorzüglich gegen Novizen und jüngere Cleriker, welche noch unter der Schulzucht standen (c. 6, C. XI, q. 1), angewendet. Dabei mußten jedoch immer die Grenzen einer väterlichen Zurechtweisung (paterna correctio) eingehalten werden (c. 1, C. XXIII, q. 5), und die Strafe an Clerikern sowohl als an Ordensprofessen durfte auf Befehl der competenten Obern immer nur durch Ihresgleichen, nicht durch Laien, executirt werden (c. 24, X 5, 39). Zu harte Züchtigung wurde mit zweimonatlicher Suspension des Bischofs oder Abtes (c. 2, X 5, 25) geahndet, Mißbrauch des geistlichen Ansehens zu Schlägen gegen Laien mit Absetzung (c. 7, Dist. XLV), Mißbrauch der Amtsgewalt zu leidenschaftlicher Züchtigung Geistlicher mit Excommunication und Exil bestraft (Conc. Bracar. IV [a. 675], c. 7). In neuerer Zeit ist die körperliche Züchtigung eines Weltgeistlichen außer Übung gekommen; Klosterstatuten und Ordensregeln führen diese Strafe noch zum Theil an. (Vgl. Hergenröther, Anti-Janus, Freiburg 1870, 21.)

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